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Selen beim Pferd

 

Zu den bekanntesten Spurenelementen zählt mit Sicherheit Selen. 

 

Häufig wird in den Blutbildern ein Selenmangel festgestellt. Daher ist es in den letzten Jahren ziemlich in den Fokus der Pferdefütterung gerückt. 

Die Bedeutung von Selen als Zusatz in Futtermischungen und Ergänzungsfuttermittel wird oft unterschiedlich diskutiert und in manchen Publikationen wird sogar davon abgeraten. 

Auf der Suche nach der Ursache, warum viele Pferde im Blutbild einen Selenmangel zeigen, kam man zu dem Schluss, dass die Böden in Mitteleuropa offenbar Selenarm sind. 

Doch betrachtet man die Mineralfutter und Kraftfuttermittel der verschiedenen Hersteller einmal genauer, erkennt man, dass in fast allen Selen zugesetzt werden. Zudem werden seit 2003 selbst Düngemittel mit Selen angereichert. 

Daher kann es nicht nur an Selenarmen Böden liegen, warum unsere Pferde in den Blutbildern diesen Mangel zeigen. 

Außerdem ist bei unseren modernen Haltungsbedingungen eine Überdosierung wahrscheinlicher als ein Selenmangel. 

Selenmangel im Blutbild sollte vorsichtig bewertet und das Blutbild im Ganzen betrachtet werden. Manches Mal reicht auch eine Umstellung der Fütterung aus, um den Selenbedarf des Pferdes wieder ins Gleichgewicht zu bringen. 

Denn auch hier gilt, wie immer und überall: Zuviel kann am Ende schädlich sein. Selen ist schnell überdosiert (geringe Toleranz) und führt sehr schnell zu überhöhten Leberwerten. Extreme Selengehalte können toxisch bis tödlich enden. Da Selen hochgiftig ist!

 

Bevor man unnötig Selen verfüttert, sollte erst einmal der Aufbau der Darmflora und die Unterstützung der natürlichen Entgiftungsfunktionen des Pferdes therapiert werden. Denn Selen ist an Entgiftungsreaktionen im Körper beteiligt und wird daher mehr verbraucht, je mehr Toxine im Körper entsorgt werden müssen. 

Die hohe Wirkung des Spurenelements Selen auf den Stoffwechsel des Pferdes darf nicht unterschätzt werden. 

Selen ist Bestandteil vieler Proteine die den Stoffwechsel des Pferdes bestimmen. Sogenannte Enzyme haben die wichtige Aufgabe, die Zellen und das Gewebe z.B. vor aggressiven Sauerstoffverbindungen zu schützen. Das sogenannte Enzym Gluthation-Peroxidase sorgt im Körper für eine funktionierende Abwehrleistung im Organismus und schützt mit seiner antioxidativen

Wirkung vor allem den Zellkern vor Entartung. 

Müssen freie Radikale und andere Stoffwechselzwischenprodukte, die z.B. durch Muskelarbeit entstehen, rasch aus dem Körper entfernt werden, wird dieses Enzym tätig. 

Wäre der Organismus nicht fähig sie rasch zu entfernen, käme es zu einer Zerstörung vieler Organe durch Entzündungen, Infektionen oder auch zum Kreuzverschlag. 

Bereits in den 80er Jahren haben Tierärzte Selen in Verbindung mit Vitamin E zur Behandlung von Muskelproblemen empfohlen. 

 

Lachs, Hering und Makrele, sogenannte Fette Seefische, liefern je um die drei Milligramm Vitamin E pro 150-Gramm-Portion. Diese Fische tragen somit zu ausreichender Versorgung mit Vitamin E bei. Zudem liefern sie noch viele gesunde Omega-3-Fettsäuren. Da unsere Pferde aber nun keine Fisch essen, sollten wir bei der Auswahl von Zusatzfuttermitteln auf eine ausreichende Versorgung von Omega-3-Fettsäuren achten.

 

Vitamin E ist ein Antioxidans, das vor allem die Zellmembran vor schädlich wirkenden Peroxiden schützt. 

Der Sauerstoffverbrauch der Zellen, die Verstoffwechselung von Kohlenhydraten, Fetten und Eiweißen sind von den Hormonen Thyoxin (T4) und dem aktiven Hormon Trijadthyronin (T3) abhängig. Selen widerum ist für die Produktion bzw. Umwandlung dieser beiden Schilddrüsenhormone zuständig. 

Sie nehmen somit Einfluss auf den gesamten Energiestoffwechsel.

Ein gesundes Pferd mit funktionierender Darmflora hat einen sehr geringen Bedarf an Selen. Der Selenbedarf steigt, wenn Pferde größere Mengen Proteine oder Sulfate aufnehmen. 

Sportpferde z.B. bekommen häufig stark mit Protein angereichertes Mischfutter. Im Sport verlieren die Pferde allerdings Selen über den Urin, da ihre Muskulatur mehr Vitamin E verbraucht. 

Ebenso tragende oder laktierende Stuten und Pferde mit Kryptopyrrolurie haben einen erhöhten Selen Bedarf. 

Ein normal gehaltenes und gerittenes Pferd entwickelt jedoch bei ausreichender Versorgung mit gutem Raufutter in der Regel keinen Selenmangel. 

 

 

Leidet das Pferd allerdings an einer gestörten Darmflora und damit an einem Mangel an Vitamin B6, wird nicht nur Zink vermehrt benötigt, sondern auch Selen um die Entgiftungsfunktion aufrecht zu erhalten. Pferde reagieren auf Zinkmangel im Blut empfindlicher während Selenmangel im Blut ausgesprochen toleranter ist, solange die Gewebewerte ausreichend sind. 

 

 

Bei Zufütterung von Ölen mit ungesättigten Fettsäuren wie z.B. Leinöl, verbraucht der Körper massiv Selen. 

Die massive Vitaminisierung von Mischfuttern mit Vitamin E kann zu einem Mangel an Selen im Blutbild führen. Zudem verbindet sich Selen mit Quecksilber aus Impfungen und lagert sich im Nervengewebe ab. 

Im Muskel wirkt es darüber hinaus mit Vitamin E als Radikalfänger gegen oxidativen Stress

 

Im Vergleich zum natürlichen Zustand wirken diese Faktoren zusammen zu einem erhöhten Verbrauch an Selen. Daher sollte es nicht mehr verwunderlich sein, dass die Pferde ihren Bedarf nicht mehr aus dem Grundfutter decken können. 

 

Der Selenbedarf ist von vielen Faktoren abhängig und an der Bildung von Antikörpern und wichtigen Botenstoffen beteiligt. 

 

Während bei erwachsenen Tieren ein Mangel meist mit einem Leistungsmangel und eventuell mit Durchfall einhergeht, ist Selenmangel für Fohlen drastischer. 

 

Es kann zu vermindertem Wachstum, Herzstörungen und verminderter Saugfähigkeit kommen, sowie Bewegungsstörungen, verstärkter Krankheitsanfälligkeit und Allergieneigung. 

  

Vitamin E und schwefelhaltige Aminosäuren im Futter können den Selenbedarf senken. Speziell im Frühjahr und Herbst, wenn die Pferde auf Energiereiche Weiden und Futter umgestellt werden, steigt der Selenbedarf stark an, durch die erhöhte Aufnahme größerer Eiweiß- oder Sulfatmengen.

  

Die Futter und Futterzusatzmittelindustrie geht leider sehr großzügig im Umgang mit Selen um und führt damit zu mehr Schaden als Nutzen. In den Mischfuttern wird oft Natriumselenat oder -Selenit zugesetzt. 

 

Anorganische Selenite oder Selenate haben aber eine geringe Bioverfügbarkeit gegenüber pflanzlichem Selen. Einzig hochgradig bioverfügbar sind Aminosäuren-Chelat-Selen. Da diese Chelate nicht über die Nieren ausgeschieden werden, sondern im Blut verbleiben und in der Leber eingelagert werden, sollte man sie nicht verfüttern. 

 

Selenosystein, Selenocystin und Selenmethionin sind Aminosäuren, die das Pferd besonders benötigt und im Futtergetreide zu finden sind.  

 

Erhalten Pferde nur wirtschaftseigenes Futter wird der Selenbedarf oft nicht ausreichend gedeckt. Zur Vorbeugung helfen Selenhaltige Mineralfutter (bis 1,5 mg Se/100kg) sowie Selenhaltige Salzlecksteine (bis 2,4 mg Se/100g) lt. Meyer-Coenen. 

 

In vielen Studien reicht der Selenbedarf beim Pferd von 0.1 bis 0.6 mg pro kg Trockenfuttersubstanz. Zu hohe Gaben, also bereits 2 mg Selen/kg Futtertrockensubstanz, können eine chronische Selenvergiftung nach sich ziehen. 

Bei einem 600 g schweren Pferd, das etwa 9 bis 11 kg Trockensubstanz aufnimmt, sind das 0,9 bis 1,1 mg Selen pro Tag. 

Die Aufnahme fetthaltiger Futtermittel erhöht sich der Bedarf auf 2 mg pro Tag.

Oft wird ein Selenmangel im Blutbild auch bei klinisch gesunden Pferden festgestellt. Und daher sollte wirklich sorgsam mit der Zufütterung von Selen umgegangen werden. 

Eine Selenüberversorgung kann zu Symptomen wie Cushing und/oder EMS führen.

Zumal ein Überschuss an Selen in das Insulinsignal der Zellen eingreift und damit eine Insulinresistenz ausgelöst werden kann. 

Die Dipl.-Biologin Dr. Christina Fritz rät zu folgenden Ratschlägen, wenn einem Pferd Selenmangel diagnostiziert wird.

  • zunächst sollte erst einmal die Fütterung optimiert werden und bei Bedarf eine Darmsanierung durchgeführt werden.
  • Der Zink-Verbrauch sollte durch eine KPU-Therapie reduziert werden, zeitweise kann die Zufütterung von Zink sinnvoll sein.
  • leicht verfügbare Zucker müssen weggelassen werden.
  • außerdem soll möglichst kein hitzebehandeltes Getreide und kein Kraftfutter verabreicht werden.
  • Keine Karotten, Äpfel, Bananen und andere versteckte Zuckerlieferanten zufüttern!
  • Behandlung von EMS/Cusching (je nach Symptomen)
  • Gabe von Schüsslersalz Nr. 26, Selenium
  • Individuellen Stress reduzieren
  • Kein Selen zufüttern um eine schleichende Gewebevergiftung zu verhindern.

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